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Gundermann

Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, ist eine Pflanzenart aus

der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist in Europa weit verbreitet und sehr

häufig. Der Gundermann wächst vor allem in frischen, nährstoffreichen Säumen, Wäldern

und Wiesen. Er bildet lange, niedrige Ausläufer, von denen aufrechte Blütensprosse

aufsteigen. Die Blüten werden meist durch Hummeln bestäubt. Aufgrund der ätherischen Öle

und der Bitterstoffe wurde der Gundermann früher als Gewürzpflanze verwendet, sie

bedingen aber auch die Giftigkeit für viele Säugetiere, besonders Pferde.


o    
Beschreibung
Erscheinungsbild und Blatt
Der Gundermann wächst als wintergrüne, ausdauernde krautige Pflanze. Die Behaarung der

Pflanze ist variabel: Häufig ist sie fast kahl, sie kann aber auch dicht weich behaart

sein[1]. Stängel und Blattunterseite sind häufig purpurn überlaufen. Die nichtblühenden

Sprossachsen kriechen als Ausläufer (Stolonen) am Boden, besitzen einen quadratischen

Querschnitt und sind an vielen Knoten bewurzelt. Aufgrund ihres sehr raschen Wachstums

und ihrer reichen Verzweigung sorgen sie für eine vegetative Vermehrung; der Hauptspross

kann bis zu 2 Meter Länge erreichen. Der Gundermann ist ein Flachwurzler; die

Blütentriebe sind 10 bis 30 Zentimeter hoch, aufsteigend bis aufrecht, und haben

ebenfalls einen quadratischen Querschnitt.
Die Laubblätter sind kreuzgegenständig angeordnet. Die Blattstiele sind in der Länge

sehr variabel, jedoch kürzer als die Internodien. Ihre Länge reicht von rund einem

Zentimeter bis zu 20 Zentimetern in dichter Vegetation. Die Blattspreiten sind mit einer

Länge von 0,4 bis 3,5 Zentimeter und einer Breite von 0,6 bis 4 Zentimeter, meist jedoch

nicht breiter als 3 Zentimeter nierenförmig bis rundlich-herzförmig mit stumpfer oder

spitzlichen Blattspitze. Der Blattrand ist grob gekerbt.Es können gelegentlich aber auch

Blattspreiten mit bis zu 8 Zentimetern Durchmesser vorgefunden werden.

 


Blütenstand und Blüte
Die zwei- bis fünfblütigen Blütenstände entspringen aus den Achseln von Laubblättern.

Die Deckblätter (Brakteolen) der einzelnen Blüten sind ein bis 1,5 Millimeter groß und

behaart.
Die Blüten sind die für die Lippenblütler typischen zygomorphen Lippenblüten. Der Kelch

ist röhren- bis glockenförmig, leicht zweilippig und besitzt 15 Nerven. Die Krone ist

meist 15 bis 22 (6 bis 25) Millimeter lang und von blau-violetter Farbe mit purpurnen

Flecken an der Unterlippe; selten ist die Krone rosa oder weiß. Die Oberlippe der Krone

ist flach und hat drei dreieckige Zähne, die rund 0,2 bis 0,3 mal so lang wie die

Kronröhre sind. Die Unterlippe hat zwei Zähne. Die Kronröhre ist schmal konisch, gerade

und behaart. Es sind zwei lange und zwei kurze Staubblätter ausgebildet. Sie befinden

sich an der Unterseite der Oberlippe. Die Pollensäcke öffnen sich mit Längsschlitzen.

Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, vierfächrigen Fruchtknoten verwachsenen,

wobei jedes Fach eine Samenanlage beinhaltet.
Die Blüten sind zwittrig. Es kommen auch männlich-sterile Blüten vor. Diese sind meist

kleiner, und die reduzierten Staubblätter sind in die Kronröhre integriert. Klone bilden

dabei entweder nur zwittrige oder nur männlich-sterile Blüten. Die Ausbildung des

Geschlechts ist nicht rein genetisch bedingt. Unter günstigen Wachstumsbedingungen

können viele männliche Klone zwittrige Blüten hervorbringen. In seltenen Fällen wurden

rein weibliche Blüten beobachtet. Die Blütezeit liegt meist zwischen April und Juni

(Juli).

Frucht
Die Klausenfrucht zerfällt in vier Teilfrüchte. Jedes Fruchtknotenfach entwickelt sich

zu einer nüsschenartigen Teilfrucht (Klause). Jede Klause ist eiförmig und glatt und

dabei an den Seiten, wo sie die Nachbarn berührt, leicht eingedrückt. Die Klausen tragen

einen grauen Auswuchs, der als Elaiosom gedeutet wird. Bei der Reife verschleimt das

Perikarp. Das Gewicht der Klausen beträgt rund 0,7 Milligramm. Die Samen sind 1,9 mal

1,1 Millimeter groß. Die Klausen werden durch Kleb-Ausbreitung und durch Ameisen

ausgebreitet. Die Fruchtreife erfolgt zwischen Juni und August.


Inhaltsstoffe
Aus den Pflanzen wurden verschiedene Flavonoide (Cymarosid, Cosmosyn, Hyperosid,

Isoquercetin und Luteolin-7-Di-Glukosid) und nicht-heterosidische Triterpenoide

(Ursolsäure, n-Nonacosan, β-Sitosterol) isoliert. Sie enthalten auch 0,03 bis 0,06

Prozent ätherische Öle, die aus (−)-Pinocamphon, (−)-Menthon, (−)-Pulegon, α-Pinen,

β-Pinen, Limonen, p-Cymen, Isomenthon, Isopinocamphon, Linalool, Menthol und α-Terpineol

bestehen. Gerbstoffe sind mit 3 bis 7 Prozent vertreten. Daneben kommen noch ein nicht

genauer bekannter Bitterstoff namens Glechomin sowie Marrubiin und Saponine vor. Die

Blätter enthalten auch Lektine, die spezifisch N-Acetylgalactosamin binden und die den

Lektinen der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) ähnlich sind.[7]


Ökologie
Wachstum

 Der Blick von oben zeigt das klonale Wachstum und die einzelnen aufrechten Blühtriebe.
Die Keimung erfolgt epigäisch, die Keimblätter sind grün und entfalten sich außerhalb

der Samenschale. Die ersten Folgeblätter werden rund eine Woche nach der Keimung

gebildet.
Der kriechende Hauptspross bildet alle acht bis 15 Zentimeter Seitensprosse. Die jungen

Seitensprosse werden zunächst von ihrem Tragblatt ernährt, sind aber relativ bald

physiologisch unabhängig und leiten auch keine Photosyntheseprodukte an den Mutterspross

zurück. Sie sind eigenständige Rameten. Das Wachstum der Internodien ist relativ rasch

abgeschlossen, es wachsen lediglich zwei Internodien gleichzeitig. Das Wachstum von

Blattstiel und Blattspreite hält länger an und dient der Anpassung an äußere Faktoren.

In Konkurrenz mit anderen Pflanzen wird bei Beschattung die Verzweigung reduziert, die

Länge der Internodien und der Blattstiele steigt signifikant an.
Bei inhomogener Verteilung der Nährstoffe im Boden werden die Adventiv-Wurzeln in

nährstoffreichen Bereichen rascher und zahlreicher gebildet als in nährstoffarmen

Bereichen. Bei fleckigem Lichtangebot sind Verzweigungsgrad, Blattfläche und

Biomasse-Anteil der Blätter in den Bereichen mit hohem Lichtangebot höher, die

Blattstiellänge kürzer.
Die Überwinterung erfolgt in Form von zweiblättrigen Sprossteilen oder von acht- bis

zehnblättrigen Rosetten. Die Pflanzen sind also wintergrün. Ab April setzt das Wachstum

wieder ein, die Rosetten bilden aufrechte Sprosse. An diesen Sprossen werden von April

bis in den Juli die Blüten gebildet. Nach der Blüte biegen sich die Sprosse zu Boden und

wachsen horizontal weiter.


Verbreitung
Der Gundermann ist im Großteil Europas verbreitet. Er fehlt nur auf den Balearen, Kreta,

den Färöern, Island, Spitzbergen und in der Türkei. In Mitteleuropa ist er sehr häufig.

Er kommt außerdem in West- und Nordasien bis Japan, Hongkong und Tonkin vor. In

Neuseeland, USA und Kanada wurde er durch den Menschen eingeschleppt. In Europa kommt

die Art besonders in den temperaten Zonen des ozeanischen und subozeanischen Bereiches

vor. Auf den Britischen Inseln fällt die nördliche Verbreitungsgrenze mit der 12

°C-Juli-Isotherme zusammen. In Kanada ist die Grenze die 12 °C-Juli- und die −12

°C-Januar-Isotherme. Die Verbreitung ist damit eurasisch boreo-temperat, unter

Einbeziehung der Regionen, in denen die Pflanze mittlerweile eingebürgert ist, auch

circumpolar boreo-temperat. Ellenberg gibt als Kontinentalitätszahl 3 an,

subozeanisch bis ozeanisch.
Der Gundermann kommt von Meeresniveau bis zur montanen Höhenstufe vor. Auf den

Britischen Inseln steigt er bis 400 m, in Schweden bis 350 m, in den Alpen bis 1600 m

Seehöhe.


Standorte  
Der Gundermann kommt bevorzugt auf feuchten, schweren, fruchtbaren sowie kalkhaltigen

Böden vor. Am häufigsten ist er auf Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5, er

gedeiht aber noch bei einem pH-Wert von 4,0.[3] Ellenberg gibt als Feuchtezahl 6

(Frische- bis Feuchtezeiger), als Reaktionszahl x (indifferent) und als Stickstoffzahl 7

(an stickstoffreichen Standorten) an. Die Art verträgt kein Salz. Häufiges Auftreten

ist an eine gute Phosphat-, Nitrat- und Kalzium-Versorgung gebunden. Dazu ist jedoch

zusätzlich notwendig, dass potenziell überlegene Konkurrenzpflanzen durch Schatten oder

häufige Störungen nicht aufkommen.
Gundermann ist kennzeichnend für die nitratreichen und feuchtebedürftigen

Saumgesellschaften, die sogar nach ihr benannt wurden (Glechometalia). Häufig ist diese

Pflanze auch in Waldsäumen, Hecken und Auengebüschen zu finden. Im

pflanzensoziologischen System werden diese der Klasse der Mesophilen Staudenfluren

(Galio-Urticetea dioicae Pass. 1967), der Klasse der Brennnessel-Holunder-Gebüsche

(Urtico-Sambucetea Doing 1962), der Ordnung der Schlehen-Hecken und -Gebüsche

(Prunetalia Tx. 1952) und der Ordnung der Weiden-Ufergebüsche und -gehölze (Salicetalia

purpureae Moor 1958) zugeordnet.
Ein zweiter Standortschwerpunkt sind Wälder mit mäßig feuchten bis feuchten Böden, die

wenig sauer sind: Sie werden im pflanzensoziologischen System als Verband der

Mesotrophen Eichen-Hainbuchenwälder (Eu-Carpinion Scam. et Pass. 1959) in der Ordnung

der Edellaub-Mischwälder (Fraxinetalia Scam. et Pass. 1959) bezeichnet.
Der dritte Standortschwerpunkt ist die Klasse der Wirtschaftswiesen

(Molinio-Arrhenetheretea Tx. 1937). Hier blüht der Gundermann in der

Wiesen-Schaumkraut-Löwenzahn-Phase zusammen mit anderen niedrigwüchsigen Pflanzen. Auch

in den Wiesen kennzeichnet die Art frische, langzeitig gut wasserversorgte, sowie gut

stickstoffversorgte Standorte. Innerhalb der Wirtschaftswiesen ist der Gundermann eine

diagnostische Art der mittleren Standorte (Arrhenatheretalia Tx. 1931). Besonders häufig

ist er hier in den Glatthafer-Fettwiesen (Arrhenatheretum) zu finden. Außerhalb der

Wirtschaftswiesen kommt der Gundermann besonders in Vielschnittrasen der Gärten und

Parks vor. Es verträgt Mahd sehr gut, Weide und Trittbelastung jedoch nur mäßig.


Name
Der heute übliche deutsche Trivialname Gundermann oder Gundelrebe leitet sich

möglicherweise vom althochdeutschen „Gund“ = Eiter oder Beule ab, was auf die früher

gebräuchliche Verwendung als Heilpflanze hinweisen würde. Im Althochdeutschen wurden

nahe am Boden wachsende Pflanzen aber auch als „gundareba“ bezeichnet. Auf die

Verwendung als Gewürzpflanze weist der Name Soldatenpetersilie hin. Im Niederdeutschen

wurde die Pflanze in Anspielung auf ihren typischen Standort auch als Heckenkieker

bezeichnet.
Die Gattungsbezeichnung Glechoma geht auf das Griechische glechon für Polei-Minze

(Mentha pulegium) zurück und wurde von Linné auf den Gundermann übertragen. Das

Artepitheton hederacea bedeutet efeuartig, efeublättrig.


Verwendung

Vor der Kultivierung des Hopfens wurde der Gundermann aufgrund seiner Bitterstoffe zur

Konservierung von Bier genutzt. Im Frühling gesammelte junge Blätter wurden früher

als Gemüse gekocht, unter anderem in Gründonnerstagsgerichten. Aufgrund der

Bitterstoffe und ätherischen Öle fand die Pflanze außerdem als Gewürz Verwendung.

Der Geruch und Geschmack wird als harzig-aromatisch, minzähnlich und lakritzartig

beschrieben.
Gundermann wurde außerdem in der Volksheilkunde verwendet. Gemäß dem „New Kreüterbuch“

von Leonhart Fuchs (1543) wurde es gegen Hüftweh, Gelbsucht, Leberleiden, und als harn-

und schweißtreibendes Mittel gegen Gifte eingesetzt. Hildegard von Bingen empfahl

die Verwendung der Pflanze gegen Kopf- und Ohrenschmerzen. Heute wird er von

Kräuterheilern gegen Abszesse, Tumore und Augenprobleme verwendet. In der

Traditionellen Chinesischen Medizin wird er auch zur Behandlung von Lungenentzündung und

Nephritis eingesetzt.
Der reiche und regional sehr unterschiedliche Aberglaube rund um diese Pflanzenart gilt

als Hinweis, dass sie bereits bei den germanischen Völkern als Heil- und Zauberpflanze

Verwendung fand. Als Heil- und Schutzzauber sollte er gegen Krankheiten wie Pest, auch

gegen Hexen wirken. In vielen Regionen spielte er eine Rolle in Milchzaubern.
Gundermann wird und wurde selten im Garten angebaut. In der Regel wurde er gesammelt. In

mittelalterlichen Klostergärten wurde er gelegentlich als Arzneipflanze gezogen.

Heute wird Gundermann gelegentlich in Ziergärten gepflanzt. Im Handel sind mehrere

Zuchtformen. Auffallend ist eine variegate Form mit weiß gefleckten Blättern und eine

sehr reich blühende, bis 30 cm hohe Form, die sich als Bodenbedecker eignet.


(Quelle: Wikipedia)

Details

Gudrun Neubauer

Gesund ist mein Hobby!

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