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Ingwer

Der Ingwer (Zingiber officinale), auch Ingber, Imber, Immerwurzel, Ingwerwurzel genannt,

ist eine Pflanzenart aus der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) und gehört zu

den Einkeimblättrigen Pflanzen. Die medizinische/pharmazeutische Bezeichnung für die

Droge lautet Rhizoma zingiberis. Verwendung findet in erster Linie die Ingwer-Wurzel

(genauer: der unterirdische Hauptspross, das sogenannte Ingwer-Rhizom) als Küchengewürz

oder Arznei. In der englischen Sprache weist der Begriff Ginger auf die Verwendung von

Ingwer in bestimmten bekannten Nahrungsmitteln hin, etwa im Getränk Ginger Ale oder in

Gingerbread (Pfefferkuchen).

   

Etymologie
Das Wort Ingwer stammt über althochdeutsch gingibero und altfranzösisch gimgibre vom

lateinischen gingiber bzw. zingiber. Dieses wiederum ist über Vermittlung des

Griechischen (ζιγγίβερις zingiberis) aus dem Mittelindischen entlehnt (vgl. Pali

siṅgivera). Hiervon ist der erste Bestandteil ein Wanderwort, das sich in fast allen

Sprachen Südostasiens findet, ohne dass der Ursprung geklärt werden kann (vgl. Tamil

inji, singhalesisch inguru, burmesisch gyin). Der zweite Bestandteil ist ein

dravidisches Wort für „Wurzel“ (vgl. Tamil vēr). Die Herleitung von Sanskrit śṛṅgavera

„Hornwurzel“ (wegen der gekrümmten Form) beruht auf einer späteren Umdeutung.


Verbreitung
Ingwer wächst in den Tropen und Subtropen und wird in Ländern wie Indien, Indonesien,

Vietnam, China, Japan, Australien, Südamerika und Nigeria angebaut. Die Heimat der

Ingwerpflanze ist nicht sicher bekannt. Möglicherweise hat sie ihren Ursprung auf den

pazifischen Inseln. Im 9. Jahrhundert wurde die Pflanze im deutschen Sprachraum bekannt.

Der größte Produzent ist Indien mit etwa 250.000 Tonnen pro Jahr, das größte Anbaugebiet

ist in Nigeria und der größte Exporteur ist China.


Beschreibung
 
Ingwer Blütenstand
Ingwer ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 50 bis über 100

Zentimeter erreicht. Der dicke Stängel und die langen Laubblätter geben der Pflanze ein

schilfartiges Aussehen. Es wird ein verzweigtes Rhizom als Überdauerungsorgan gebildet,

das in der Erde horizontal wächst und innen gelblich und sehr aromatisch ist. Die

Wurzeln werden entlang des Rhizoms als Adventivwurzeln angelegt. Die mehr oder weniger

zweizeilig angeordneten, ungestielten, einfachen, parallelnervigen Laubblätter sind 15

bis 30 cm lang und 2 bis 2,5 cm breit.
Direkt aus dem Rhizom wird der Blütenstand gebildet; er besteht aus einer bis zu 25 cm

langen Blütenstandsschaft, aus hellgrünen Hochblättern, die manchmal einen gelblichen

Rand aufweisen, und vielen Blüten. Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind dreizählig.

Die Blütenhülle ist in Kelch und Krone gegliedert. Die drei Kelchblätter sind etwa 1 cm

lang. Die drei Kronblätter sind röhrig verwachsen; die gelblich grüne Kronröhre ist 2

bis 2,5 cm lang; die Kronlappen sind etwa 1,8 cm lang wobei der mittlere rötlich gefärbt

und die seitlichen Kronlappen etwa 6 mm lang sind. Die Staubblätter sind dunkelviolett

mit kurzen Staubfäden und etwa 9 mm langen Staubbeuteln. Drei Fruchtblätter sind zu

einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen.
Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die schwarzen Samen sind von einem weißen Arillus

umhüllt.


Inhaltsstoffe
Der Geruch des Ingwers ist angenehm aromatisch, der Geschmack brennend scharf und

würzig. Wesentliche Bestandteile sind dabei ein ätherisches Öl, Harzsäuren und neutrales

Harz sowie Gingerol, eine scharf aromatische Substanz. Das Gingerol verleiht dem Ingwer

die Schärfe. Als es im Mittelalter wenig Pfeffer in Europa gab, verwendete man

stattdessen Ingwer.
Weiter enthält Ingwer Zingiberen, Zingiberol, Shogaol und Diarylheptanoide. Außerdem

enthalten die Wurzeln auch Vitamin C, Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und

Phosphor.


Als Nahrungspflanze
Als grünen Ingwer bezeichnet man die jung geernteten, milder schmeckenden Rhizome. Die

Rhizome werden − vor allem in Süd- und Ostasien, und dort schon seit langer Zeit − als

Gewürz und Heilmittel (z. B. bei Husten) verwendet. Vor der Einführung der Chilischoten

aus Amerika zu Beginn der Neuzeit war Ingwer neben Pfeffer in Ostasien meist das einzige

verfügbare scharfe Gewürz. Ingwer hat eine antibakterielle Wirkung, wirkt antiemetisch

(vor Erbrechen schützend), fördert die Durchblutung, steigert die Gallensaft-Produktion

und gilt als Aphrodisiakum. Je nach Produktionsmethode, Erntezeitpunkt und

Zubereitungsart wird Ingwer ein mildes oder scharfes Gewürz. Ingwer ist auch als

naturreiner Pflanzentrunk (Ingwerpresssaft) erhältlich.

 
Gewürz
Ingwer zählt zu den bekannteren Küchenkräutern und Gewürzen. So zerreibt man

beispielsweise ein daumennagelgroßes geschältes Stück des Ingwer-Rhizoms auf der

Küchenreibe und gibt es (kurz nach dem Kochen oder Braten) in Suppen oder auch auf

Hühnchenfleisch. Es passt zu Geflügel und Lamm sowie zu Fisch und Meeresfrüchten. Er

dient pur oder in Mischungen (Curry, Chutneys, Marmeladen, Soßen) als Gewürz. Auch

Lebkuchen, Printen, Milchreis, Obstsalat, Tee und fruchtige Kaltschalen werden mit

gemahlenem Ingwer verfeinert.


Eingelegt
Ingwer-Pflaumen, beziehungsweise Ingwer-Nüsse sind in Sirup eingelegte Stücke frischen

Ingwers. Als weitere süße Ingwerzubereitungen gibt es kandierten (auch mit Schokolade

überzogenen) Ingwer und die vor allem in Großbritannien beliebte Ingwerkonfitüre. Junge

Ingwersprossen dienen in den Tropen gelegentlich als sehr würziges Gemüse oder als

Würzkraut. Aus Japan stammt in Essig eingelegter Ingwer, der als Gari zwischen

unterschiedlichen Sushi-Gängen gegessen wird und als solcher in Sushi-Restaurants auf

der ganzen Welt verbreitet ist.


Getränk
Ingwer wird häufig in der Getränke- (Ginger Ale, Ingwerbier) und Lebensmittelindustrie

verwendet. Ginger Ale ist eine alkoholfreie Limonade mit Ingwergeschmack, die vor allem

um die Mitte des 20. Jahrhunderts beliebt war. Wegen seiner anregenden Wirkung auf die

Schweißbildung ist Ingwer in heißen Ländern als Zusatz in Kaffee oder Tee beliebt. Auch

reiner Ingwertee ist gebräuchlich.


Als Heilpflanze
Der Ingwer-Wurzelstock enthält einen zähflüssigen Balsam (Oleoresin), der aus

ätherischen Ölen und einem Scharfstoffanteil, den Gingerolen und Shoagolen, besteht.

Zubereitungen aus dem Ingwer-Wurzelstock werden antioxidative, antiemetische,

entzündungshemmende, sowie anregende Effekte auf die Magensaft-, Speichel- und

Gallenbildung sowie die Darmfunktion zugesprochen und daher insbesondere in der

asiatischen Alternativmedizin traditionell auch zur Behandlung von Rheuma,

Muskelschmerzen oder Erkältungen verordnet.


Gegen Übelkeit und Erbrechen
Die antiemetische Wirkung scheint durch eine direkte Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt

vermittelt zu werden. Diskutiert wird auch ein Antagonismus von

Serotonin-Typ-3-Rezeptoren. Eine Meta-Analyse ergab einen moderaten Effekt von Ingwer

auf das Auftreten postoperativen Erbrechens im Vergleich zu einer Behandlung mit Placebo

(RR: 0,69 (95 % Konfidenzintervall: 0,54–0,89).[5]
Auch wenn viele Segler auf die Wirkung von Ingwer gegen die Seekrankheit schwören, liegt

für die Wirksamkeit von Ingwer zur Behandlung der Seekrankheit bisher nur wenig Evidenz

vor: In einer kleinen Doppelblindstudie, die an 80 dänischen Seekadetten auf hoher See

durchgeführt wurde, reduzierte Ingwer jedoch im Vergleich zu Placebo signifikant das

Auftreten von Erbrechen. Bei einer Studie an der Brigham Young Universität in den USA

bekamen 12 Studenten ein Placebo, 12 ein bekanntes Medikament gegen Seekrankheit

(Dimenhydrinat) und 12 getrockneten Ingwer. Anschließend sollten die Studenten 6 Minuten

in einem Stuhl Platz nehmen, der sich gleichzeitig drehte, hob und senkte. Während die

Gruppe mit dem Placebo die volle Zeit nicht aushalten konnte und die stärkste Übelkeit

spürte, konnte die Ingwer-Gruppe die vollen 6 Minuten im Stuhl bleiben. Die Gruppe, die

das Medikament Dimenhydrinat bekam, hielt es zwar länger als die Placebo-Gruppe aus,

doch im Schnitt auch nur 4 Minuten und mit einer stärkeren Übelkeit als die

Ingwer-Gruppe.
Für die Wirksamkeit bei der Behandlung des Schwangerschaftserbrechens gibt es keine

überzeugenden Hinweise.Es wird jedoch häufig (auch erfolgreich) zur Linderung der

Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt.
Verschiedentlich ist eine günstige Wirkung bei Magengeschwüren, Kopfschmerzen und

rheumatischen Gelenkbeschwerden postuliert worden. Diese Angaben sind aber bisher nur

unzureichend untersucht.


Wundbehandlung
Äußerlich angewandt hat Ingwer eine reizlindernde Wirkung insbesondere im Bereich von

Schleimhäuten und Hautwunden.


Auswirkungen auf die Blutgerinnung

Ingwer hat möglicherweise einen hemmenden Effekt auf die Blutgerinnung, wie in einigen

Fallberichten beschrieben wird. Das wurde sowohl bei der alleinigen Einnahme als auch

als verstärkende Wirkung auf eine Cumarin-Therapie beobachtet. Aufgrund fehlender Daten

ist die Art des Zusammenhanges jedoch unklar.


Tiermedizin
Seit 2002 wird Ingwer in Deutschland auch in der Pferdefütterung als Heilmittel bei

Entzündungen und Arthrosen eingesetzt, insbesondere die Bitterstoffe Shogaole und

Gingerole wirken stoffwechselfördernd und entzündungshemmend.


Historisches
Historische Anwendungen der Ingwerknolle von der Antike bis zur frühen Neuzeit waren

beispielsweise die Verwendung bei Augenleiden und, insbesondere in der Zubereitung als

„Alexandrinische Ingwerlatwerge“, als Abführmittel.


(Quelle: Wikipedia)

Details

Gudrun Neubauer

Gesund ist mein Hobby!

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